3. Einwanderungsland Deutschland - Historische Entwicklung

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Kurs: Interkulturelle Öffnung Grundmodul
Buch: 3. Einwanderungsland Deutschland - Historische Entwicklung
Gedruckt von: Gast
Datum: Sonntag, 23. Januar 2022, 09:51

Beschreibung

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1. Einleitung

„Die Geschichte Deutschlands ist nicht erst seit Bestehen der Bundesrepublik durch Zu- und Abwanderungen als Massenbewegungen geprägt. Deutsche gingen über die Jahrhunderte als Arbeits-, Siedlungs-, Heirats-, Wohlstands- und Kulturwandernde in großer Zahl ins Ausland, ebenso wie Ausländerinnen und Ausländer nach Deutschland kamen. Hinzu traten vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts millionenfache Zwangswanderungen während und im Gefolge der beiden Weltkriege.“

Prof. Dr. Oltmer, Jochen (2005): Deutsche Migrationsgeschichte seit 1871. in: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/56355/migration-1871-1950 (aufgerufen 8/2015)

2. Die Welt von heute zu verstehen…

…ist nur möglich mit Wissen um die historischen Zusammenhänge. Die vergangenen Epochen der deutschen Geschichte sind bedeutsam, weil die Vergangenheit nicht einfach vergeht, sondern – besonders Krisen und Katastrophen – noch über Jahrzehnte nachwirken und die folgenden Generationen prägen. Ihnen wird in folgendem Text vorgestellt, in welcher Weise sich der Kolonialismus – und die damit einhergehende Annahme der "weißen Deutschen" als überlegene Menschengruppe – auf die deutsche Migrationspolitik ausgewirkt hat und auswirkt. Es soll an dieser Stelle ein kurzer Überblick gegeben werden. Umfassende Informationen finden Sie unter http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/.

3. Die Geschichte des Kolonialismus...

... liegt weit zurück. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich die europäischen Großmächte, darunter auch Deutschland, Teile der Welt angeeignet und unter sich aufgeteilt. Sie glaubten, dass sie technisch, sozial, wirtschaftlich, moralisch und kulturell dem Rest der Welt überlegen seien. Dies war faktisch nicht so.
Dieser Irrglaube führte allerdings dazu, dass sie andere Völker unterwarfen[1], mit dem Ziel, den angeblich "unterlegenen“ Völkern „die Segnungen der europäischen Zivilisation nahezubringen, notfalls mit Gewalt.“[2]
Zur vorkolonialen Geschichte des afrikanischen Kontinents gibt es mehrere interessante Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung: https://www.bpb.de/internationales/afrika/afrika/58857/kontinent-im-umbruch?p=1

[1] Bundeskoordination Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (Hrsg.)(2015): Lernziel Gleichwertigkeit. Berlin. Aktion Courage e.V., S. 184

[2] Ebd.

4. Diese historische Sichtweise...

... von „höherwertigen“ Menschengruppen war der Nährboden für den sogenannten „Rassenwahn“ der Nationalsozialist*innen. Die Verbrechen der NS-Zeit sind so unmenschlich, dass sie bis heute schwer zu begreifen sind. Die Vernichtung von Jüdinnen und Juden sowie anderen Opfergruppen (z.B. Sinti*ze und Rom*nja, Homosexuelle, Slaw*innen, Menschen mit Behinderung, politische Gegner*innen) in diesem Ausmaß stellt einen Bruch in der Zivilisation dar. Damit umzugehen ist bis heute und in Zukunft Aufgabe der deutschen Gesellschaft.

Deutliche Spuren dieser Epochen finden sich bis heute in unserem Leben. Geblieben ist z.B. manchen Menschen die Vorstellung, europäische Kulturen als das wahre Beispiel menschlicher Zivilisation anzusehen. Das Kinderspiel „Wer hat Angst vor‘m schwarzen Mann“ reproduziert bis heute die Sichtweise, dass die Schwarze Bevölkerung aus den damaligen afrikanischen Kolonialstaaten als bedrohlich und „gesellschaftsschädlich“ wahrgenommen wurde. Auch in der Sprache sind Spuren zu erkennen, wenn z.B. über rassistische Begriffe und Geschichten in Kinderliteratur diskutiert wird (z.B. Jim Knopf oder die Geschichte von Pippi Langstrumpfs Vater). Antisemitismus und Hass auf andere Minderheitengruppen sind weit verbreitet.

5. Auch die Ursachen von heutiger Flucht ...

... und Migration werden u.a. in Bedingungen gesehen, die durch den Kolonialismus hergestellt wurden. Auf der sogenannten „Kongokonferenz“ 1884/85 in Berlin wurde z.B. der Grundstein für die Aufteilung des afrikanischen Kontinents unter den Kolonialmächten gelegt. Staatsgrenzen des Kontinents wurden willkürlich gezogen, was bis heute noch teilweise zu innerstaatlichen Kriegen und ethnischen oder religiösen Konflikten führt.

Gemeinsam ist allen Beispielen von Spuren aus unserer deutschen Vergangenheit, dass Macht und Überlegenheit über Andere eine große Rolle spielen, und dass dies sich auch auf die deutsche Migrationspolitik auswirkt.

6. Migration im Gebiet des heutigen Deutschlands...

… hat es durch die Menschheitsgeschichte hinweg schon gegeben. Die Benennung und Problematisierung von Migration ist jedoch eng mit der Entwicklung des Nationalstaates verbunden. Daher möchten wir gerne auf die Texte der Bundeszentale für Politische Bildung verweisen, die detailliert auf die unterschiedlichen Phasen der deutschen Migrationspolitik im 20. Und 21. Jahrhundert eingeht.

Thematisiert werden u.a.

  • Zwangsmigration im Zeichen der Weltkriege
  • Nachkriegsdeutschland in Bewegung
  • "Gastarbeit" und Einwanderung
  • Flüchtlingsaufnahme im Zeichen des Kalten Krieges
  • Migration nach dem Fallen des eisernen Vorhangs

Vertiefen Sie verschiedene Phasen der Migration im heutigen Deutschland unter: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/252241/deutsche-migrationsgeschichte