1. Zum Kulturbegriff

Der Kulturbegriff ist ein oft verwendeter Ausdruck und lässt sich in allen möglichen Disziplinen unterschiedlich definieren. Bis heute konnte keine eindeutige und auf alle Bereiche zutreffende Definition gefunden werden. Dennoch kann man verallgemeinern, dass Kultur ein Gruppenphänomen ist. Gerhard Maletzke beschreibt Kultur als „die Art und Weise, wie die Menschen ihr Leben gestalten mitsamt den ‚Produkten‘ ihres Denkens und Schaffens.“ (1996, S. 15)

Diese Definition passt auch zur sprachlichen Herkunft des Wortes Kultur. Colere (pflegen) und cultura (Pflege, Anbau, Bebauung) haben ihren Ursprung in der lateinischen Sprache und beziehen sich in diesem Kontext auf die Landwirtschaft. Übertragen für den hier verwendeten Kulturbegriff umfasst dieser also alles vom Menschen Gemachte: geistiges, künstlerisches, materielles und institutionelles Gut einer Gesellschaft.

Um sich die (Un-)Sichtbarkeit von kulturellen Merkmalen vor Augen zu führen, hat Charles E. Osgood das Bild eines Eisberges auf Kultur übertragen:

Das Sichtbare des Eisbergs, für gewöhnlich der kleinere Teil, stellt die von außen erkennbaren Merkmale einer Kultur dar, wie beispielsweise Kleidung, Sprache, Essen, Feste oder gängige Begrüßungsformen.

Der größere Teil unter der Wasseroberfläche steht bildlich für den Teil einer Kultur, der für andere Menschen nicht sofort erkennbar ist. Hierunter fallen z.B. Werte, Grundannahmen, Beziehungen, Emotionen, Erwartungen und Bedürfnisse.

Ein Mensch wird mit dem Heranwachsen in einer Kultur so geprägt, dass ihm diese Lebensweise als die normale oder sogar einzig richtige erscheint. Erst im Zusammentreffen mit Menschen anderer Kulturen kann man merken, wie verschieden manche Denk- und Verhaltensweisen sind. Bearbeiten Sie bitte die dazugehörige Aufgabe für sich:

Suchen Sie sich ein Merkmal Ihrer Kultur aus (z.B. Kleidung, Essen, Bedürfnisse, etc.) und überlegen Sie, wie dieses Merkmal in Ihrer Kultur ausgelebt wird oder ausgeprägt ist. Überlegen Sie dann, ob Sie eine andere Kultur kennen, die dieses Merkmal auf andere Weise repräsentiert und auslebt.

 

 

 

 

 Quellen:

- Maletzke, Gerhard (1996): Interkulturelle Kommunikation: zur Interaktion zwischen Menschen verschiedener Kulturen. Opladen, Westdeutscher Verlag GmbH

- Bildquelle: https://www.istockphoto.com/de/grafiken/eisberg?sort=mostpopular&mediatype=illustration&assetfiletype=eps&phrase=eisberg

Zuletzt geändert: Freitag, 27. September 2019, 12:08